aktuell

Hier veröffentlichen wir Beiträge zu aktuellen Themen, in der Reihenfolge des Erstellung.
Um aber Themen, die über eine gewisse Zeit aktuell sind, nicht immer wieder neu aufgreifen zu müssen,
wenn es eine Veränderung oder Ergänzung gibt, ist der Aktualisierungsstand gekennzeichnet.

Button Seitenende

Button Startseite

Neue Beiträge, die bei Veränderungen noch aktualisiert werden, haben einen Punkt.   
Beiträge ohne Punkt sind abgeschlossen und werden nicht mehr verändert
(auch Links werden nicht mehr aktualisiert).

Beiträge aus dem ersten Halbjahr 2026 befinden sich hier.
Beiträge aus vorangegangenen Jahren befinden sich im Archiv.

Hinweis: In letzter Zeit haben wir Grafiken in der Regel in höherer Auflösung gespeichert, als im Text gezeigt wird.
Grössere Darstellung lassen sich also z.B. ansehen, wenn man nach Rechtsklick "Bild im neuen Tab öffnen" wählt.


Grafik

Ein Aufruf zu militantem Widerstand gegen Fluglärm,
wegen der rauher werdenden Zeiten getarnt
mit christlicher Rhetorik.

12.07.2026

Umweltbundesamt

Neues Gutachten zum Lärmschutz

Das Umwelt­bundes­amt hat eine fatale Ten­denz, Texte, die es heraus­gibt und die eine beson­dere poli­tische Brisanz haben, hinter beson­ders lang­weiligen Titeln zu ver­stecken. Selbst enga­gierte Flug­lärm­gegner werden ein Werk mit dem Titel "Rechts­gut­achten 2. Flug­lärm­schutz­verord­nung. Zeit­gemäßer bau­licher Schall­schutz" wohl über­wiegend völlig igno­rieren oder im Ordner "Mamia" ("Müsste man auch mal irgend­wann an­gucken") archi­vieren und ver­gessen.
Das war auch schon so mit einer Analyse, die vor zwei Jahren zu einem ganz ähnlichen Thema erschienen ist.

Aus unserer Sicht könnte nichts falscher sein. Dieser Text hat das Poten­tial, zu einer Art neuer Bibel für Flug­lärm­gegner zu werden (oder, je nach Geschmack, einer Art "Kommu­nisti­schem Mani­fest", obwohl es wegen der Länge und der Kom­plexi­tät der Argu­menta­tion eher mit Marx' "Kapital" zu ver­gleichen ist). Schon die "Kurz­beschrei­bung" enthält eine Reihe viel­sagen­der Ver­sprech­ungen:

"Das Rechts­gutachten unter­sucht die Zweite Flug­lärm­schutz­verord­nung (2. FlugLSV) vor dem Hinter­grund des aktu­ellen Stands der Lärm­wirkungs­forschung und der bau­lichen Schall­schutz­technik. Ziel ist es, recht­liche Ände­rungs­bedarfe zu iden­tifi­zieren und kon­krete Formu­lierungs­vor­schläge zu erar­beiten.
Das Gut­achten arbeitet zunächst die ver­fassungs­recht­lichen Grund­lagen heraus: Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG schützt die körper­liche Unver­sehrt­heit bereits im Risiko­bereich und ver­pflich­tet den Staat zum Schutz auch vulner­abler Gruppen wie Kinder, älterer Menschen und chro­nisch Kranker. ...
Das Gutachten kommt zu dem Ergeb­nis, dass die 2. FlugLSV in wesent­lichen Berei­chen nicht mehr dem aktu­ellen Stand ent­spricht. Als zen­trale Defi­zite werden iden­tifi­ziert: veral­tete tech­nische Normen (DIN 4109:1989), feh­lende wirkungs­bezogene Schutz­ziele für Innen­pegel, unzu­reichende Berück­sichti­gung vulner­abler Gruppen, systema­tische Quali­täts­defi­zite bei der Umset­zung sowie komplexe Antrags­verfahren mit Vor­finan­zierungs­pflichten, die zu nied­rigen Umsetzungs­quoten führen.
Das Gutachten empfiehlt umfas­sende Anpas­sungen: die Ein­führung expli­ziter Innen­pegel-Schutz­ziele (35 dB(A) tags, 25 dB(A) nachts) ein­schließ­lich eines Aufwach­reak­tions-Krite­riums, erhöhte Schutz­anforde­rungen für vulner­able Gruppen, gesetz­liche Veran­kerung einer bau­beglei­tenden Quali­täts­siche­rung mit War­tungs­anspruch, Aktuali­sierung tech­nischer Bezugs­normen, Anhe­bung der Höchst­beträge auf 250 Euro/m² mit auto­mati­scher Index­ierung sowie Digi­tali­sierung und Verein­fachung der Antrags­verfahren."

Und zu all dem liefert das Gut­achten auf fast 300 Seiten gute und über­wiegend ver­ständ­liche Argu­mente. Der Wert dieser Arbeit ist aus unserer Sicht kaum zu über­schätzen.
Natür­lich ist nichts wirk­lich perfekt, und poli­tisch gibt es durch­aus eine Reihe von Punkten, über die man streiten kann, aber das bleibt hier zweit­rangig. Entschei­dend wird sein, ob die Kern­bot­schaft dieses Gut­achtens in der poli­tischen Diskus­sion veran­kert werden kann: der Schall­schutz in der Umge­bung von Flug­häfen hat derzeit massive Defi­zite und muss grund­legend verbes­sert werden.

Um diese Kern­bot­schaft zu begrün­den, muss das Gut­achten nicht auf revolu­tionär neue Daten oder Fakten zurück­greifen. Die Beson­derheit liegt in der Art und Weise, wie dieses Gut­achten die bekann­ten juris­tischen und fach­wissen­schaft­lichen Aspekte zusammen­bringt und daraus über­zeugende Schluss­folge­rungen ablei­tet.
Das beginnt mit den "ver­fassungs­recht­lichen Vor­gaben für einen grund­rechts­konformen Flug­lärm­schutz", wo heraus­gestellt wird, dass "das Schutz­gut der körper­lichen Unver­sehrt­heit" (Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG) "bereits den Bereich des Risikos, also die Situa­tion, in der eine Gesund­heits­beein­trächti­gung nicht sicher ausge­schlossen werden kann", schützt. "Eine signifi­kante Erhöhung der Er­krankungs­wahr­schein­lich­keit – etwa auf­grund statis­tisch belegter Zusammen­hänge zwischen Flug­lärm und Herz-Kreis­lauf-Erkran­kungen – ist als Eingriff in die körper­liche Inte­grität zu werten"

Aus­gehend von diesem hohen Schutz­anspruch werden bisher ange­wendete juris­tische Kon­strukte in Frage gestellt, die einer­seits die beson­deren Schutz­ansprüche "beson­ders vulner­abler Gruppen" (z.B. Kinder, alte Menschen, Kranke) vernach­lässigen, anderer­seits auch willkür­liche Schwel­len defi­nieren (z.B. zwischen "Gesund­heits­gefahren und bloßen Belästi­gungen"), die keine wissen­schaft­liche Grund­lage haben.
Zur Begrün­dung wird hier ausgie­big der aktu­elle Stand der Lärm­wirkungs­forschung heran­gezogen und gezeigt, welche allge­meinen Schluss­folge­rungen aus den jewei­ligen kon­kreten Studien­ergeb­nissen zu ziehen sind. Diese Passagen gehen in ihrer Bedeu­tung weit über den eigent­lichen Anlass hinaus und liefern Grund­lagen, die für die Flug­lärm­bekämp­fung auf allen Ebenen, und sogar für die Lärm­bekämpfung insge­samt, von Bedeu­tung sind.

Im Gut­achten werden daraus die massi­ven Defi­zite der nun­mehr 20 Jahre alten 2. Flug­lärm­schutz­verord­nung abge­leitet und Empfeh­lungen gegeben, wie eine "Schall­schutz­maßnahmen­verordnung" aus­sehen müsste, die dem aktu­ellen Stand der Lärm­wirkungs­forschung gerecht wird.

"Zur Verwirk­lichung eines effek­tiven und grund­rechts­konformen Schutzes vor Flug­lärm sind daher umfas­sende Anpas­sungen erforder­lich. Diese müssen sowohl die rege­lungs­tech­nische Ebene (Aktual­isierung tech­nischer Normen, Harmoni­sierung mit anderen Regel­werken, Klar­stel­lung begriff­licher Unschär­fen) als auch die Voll­zugs­ebene (Digi­tali­sierung, Verein­fachung, Qualitäts­sicherung) und die konzep­tionelle Ebene (wirkungs­bezogene Schutz­ziele, Schutz vulne­rabler Gruppen, Über­windung begriff­licher Diver­genzen) um­fassen."

Es ist hilf­reich, die Konkre­tisie­rung dieser Grund­sätze, die man in der Arbeit nach­lesen kann, zu ver­gleichen mit den "frei­willigen Leis­tungen", die Fraport aktuell für die Menschen anbie­tet, die unter den künftig massiv genutz­ten Nord­west­abflügen zu leiden haben, und die von der Flug­lärm­kommis­sion begrüsst und unter­stützt wurden.
Es liegen Welten zwischen dem, was wissen­schaft­lich für ein gesundes Leben notwen­dig ist, und dem, was die herr­schende Politik aktuell anzu­bieten bereit ist. Bei dem "Lärm­schutz­paket", das Fraport mit der Landes­regierung ausge­dealt hat, geht es einzig und allein darum, die offen­kundig rechts­widrigen Rege­lungen, die für den passiven Schall­schutz formal immer noch gelten, soweit abzu­mildern, dass sie ggf. vor Gericht (oder jeden­falls vor Gerich­ten wie dem Hessi­schen Ver­waltungs­gerichts­hof, die sich ihrer staats­tragenden Funk­tion bewusst sind) Bestand haben können.

Gäbe es eine Bundes­regierung, die den Schutz vor Flug­lärm für die Bevölke­rung im Umfeld der deutschen Flug­häfen sicher­stellen wollte, hätte sie hier schon fast alle Vor­gaben zusammen, die dafür umge­setzt werden müssten. Eine solche Regie­rung war aller­dings seit Grün­dung der Bundes­republik noch nie im Amt, und aktu­ell gehen alle Anstreng­ungen auch eher dahin, die Luft­verkehrs­wirt­schaft vor allen Anfein­dungen seitens der Bevölke­rung in Schutz zu nehmen.
Die Forde­rungen und Empfeh­lungen, die das Gut­achten ent­wickelt, haben daher keine Chance - es sei denn, es bildet sich doch noch eine Bewe­gung, die massiv für ihre Umset­zung ein­tritt und genü­gend poli­tischen Druck ent­wickelt, die Luft­fahrt-Lobby­isten und ihre poli­tischen Steig­bügel­halter zurück­zu­drängen. Das wird extrem schwierig - aber ohne das ist ein halb­wegs gesundes Leben im Rhein-Main-Gebiet und in der Umge­bung der anderen Groß­flug­häfen in Deutsch­land nicht mehr möglich.


Button PDF     Button Startseite


Grafik

Leistungsoptimierte Open-Source-Triebwerke sind laut. Werden sie auf das Lärmniveau aktueller Triebwerke optimiert, verlieren sie an Leistung.
Was wird passieren ?

06.07.2026

Europäische Investitionsbank

3-Milliarden-Kredit an Airbus
- für Fossil-Technik

Die Europä­ische Inves­titions­bank schien vor Stolz fast zu platzen, als sie ankün­digen konnte, dass sie "ein erstes Dar­lehen in Höhe von 1 Mil­liarde Euro" als "... Teil eines beispiel­losen Finan­zierungs­rahmens in Höhe von 3 Mil­liarden Euro zur geziel­ten Förde­rung weg­wei­sender Innova­tionen" an Airbus vergeben hat.
Das sei "ihre bisher größte Unter­nehmens­finan­zierung", und die da­mit finan­zierte "Forschung und Entwick­lung in Frank­reich, Deutsch­land und Spanien stärkt Europas techno­logische Souverä­nität und indus­trielle Exzel­lenz".

Etwas konkreter heisst es dann noch:

"Die Finan­zierung unter­stützt Airbus bei seinen bis 2030 gepla­nten Investi­tionen in Spitzen­techno­logien und inte­grierte Systeme für die zivile Luft­fahrt sowie für Sicher­heits- und Ver­teidigungs­lösungen. Mit seinen Projekten in Frank­reich, Deutsch­land und Spanien will Airbus Europas Luft- und Raum­fahrt und das Vertei­digungs­ökosystem weiter stärken."

Aufgrund handels­technischer Einschrän­kungen kann die EIB keine direkte Projekt-Finan­zierung vor­nehmen, aber Fach­kreise gehen davon aus, dass Airbus einen Teil der Mittel für die Entwick­lung eines A320-Nach­folge­modells ein­setzen wird.
Zu diesem Nach­folge­modell hat Airbus bisher ver­lauten lassen:

"Das Modell werde in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre serien­reif und „signi­fikant anders“ als die aktu­elle Genera­tion sein ...
Ein Eckpunkt des Konzepts sind Kohle­faser-Flügel mit sehr großer Spann­weite, ..."
es "werde „20 bis 25 Prozent“ effi­zienter fliegen als die ... aktu­elle A320neo.
Die Effizienz­vorgaben an die Konstruk­teure will Airbus je zur Hälfte über Trieb­werks­techno­logie und „aero­dyna­mische Ver­besse­rungen, ein gering­eres Gewicht und längere Trag­flächen“ er­reichen. Für einen Open-Rotor-Ansatz bei den Trieb­werken ... zeigt sich Airbus tech­nologie­offen."

Diese "Techno­logie­offen­heit" ist aller­dings begrenzt. Es kann diverse Varian­ten geben, aber es bleibt ein Trieb­werk, in dem Kerosin ver­brannt wird, denn etwas anderes steht nicht zur Ver­fügung. Die 2020 von Airbus kurz­zeitig schon für 2035 in Aussicht gestell­ten Wasser­stoff-Flug­zeuge wurden schon im nächsten Jahr wieder in die spätere Zukunft ver­schoben und spielen aktuell nach einer Analyse des "Carbon Tracker" im For­schungs­programm von Airbus nur noch eine geringe Rolle.

Die EIB stört das aller­dings nicht mehr. Wollte sie 2020 noch die europä­ische Klima-Bank werden und hatte eine Roadmap beschlos­sen, in der es hiess

"Unter­stützung für die Auswei­tung von Flug­hafen-Kapazi­täten und für konven­tionell ange­triebene Flug­zeuge wird entzogen",
ebenso "... von Aktivi­täten, die in diesem Rahmen nicht mehr unter­stützt werden (z.B. interne Ver­bren­nungs­maschinen und Antriebs­systeme für Schiff- und Luft­fahrt auf der Basis fossiler Brenn­stoffe)"
(eigene Über­setzung)

so gilt seit Ende 2025 ein KLIMA­BANK-FAHR­PLAN: PHASE 2, der "in jeder Hinsicht den Klima­bank-Fahr­plan 2021–2025 der EIB-Gruppe und die Klima­strate­gie der EIB (2020)" ersetzt und in dem die Begriffe "Luft­fahrt" oder "Flug­verkehr" nicht mehr vor­kommen. In der Liste der aus­geschlos­senen Aktivi­täten der EIB-Gruppe tauchen auch keine Luft­fahrt-bezo­genen Punkte auf.
Zwar gibt es auch noch den Rahmen für ökolo­gische und soziale Nach­haltig­keit von 2022, der einen Stan­dard "Klima­wandel" enthält, der noch auf den alten Klima­bank-Fahr­plan Bezug nimmt und völlig aus­reichen müsste, solche Finan­zierungen zu ver­bieten, aber es gibt nieman­den, der das durch­setzen könnte und wollte.

Dass dieses A320-Nach­folge­projekt eine beson­dere Bedeu­tung hat, zeigt auch die Tat­sache, dass es als einer der ganz wenigen konkre­teren Punkte auch in der Luft­fahrt­strategie der Bundes­regie­rung erwähnt wird. Dort heisst es:

"Aufgrund der grund­sätz­lichen Bedeu­tung für Wert­schöpfung und Beschäf­tigung in den kommenden Dekaden ist die nächste Single-Aisle-Genera­tion einschließ­lich zuge­höriger Trieb­werks­techno­logien eine entschei­dende Weg­marke für den Luft­fahrt­industrie­standort Deutsch­land insge­samt. Hinzu kommt, dass ange­sichts der langen Lebens­dauer moderner kommer­zieller Flug­zeuge, die techno­logischen Entschei­dungen für die nächste Single Aisle-Genera­tion den Stan­dard in der kommer­ziellen Luft­fahrt bis weit in die 2050er Jahre setzen wird.
Die Bundes­regierung wird die Luft­fahrt­industrie in Deutsch­land daher weiter dabei unter­stützen, Gesamt­system­verant­wortung zu über­nehmen und entspre­chende System­verant­wort­lich­keiten an deut­schen Stand­orten ein­fordern."
(Single aisle: Flug­zeuge für Kurz- und Mittel­strecken mit einem Mittel­gang und zwei Sitz­gruppen-Reihen links und rechts,
  im Unter­schied zu "wide bodies" für Lang­strecken mit zwei Gängen und drei Sitz­gruppen-Reihen)

Die Bundes­regierung ist also durchaus damit einver­standen, dass der "Standard in der kommer­ziellen Luft­fahrt bis weit in die 2050er Jahre" konven­tionelle Trieb­werke sind, die das Klima weiter zer­stören. Haupt­sache, rele­vante Teile dieser Flug­zeuge werden in Deutsch­land gebaut. Vor dem Hinter­grund, dass alter­native Antriebe in der militä­rischen Luft­fahrt auf abseh­bare Zeit nur in Nischen eine Rolle spielen, ist eine Konzen­tration auf konven­tionelle Technik vermut­lich sogar erwünscht.

Dass der Lärm­schutz bei weiteren Effi­zienz­steige­rungen der Trieb­werke auf der Strecke bleiben könnte, ist schon seit einiger Zeit klar. Dass Open-Rotor-Trieb­werke grund­sätz­lich lauter sind als bishe­rige Strahl­trieb­werke, liegt schon daran, dass die äussere Trieb­werks­hülle fehlt, die den Schall etwas dämpft. Wenn mittels Verän­derung von Rotor-Form und -Konfi­guration die Schall-Emis­sionen redu­ziert oder weg­gelenkt werden sollen, muss zu aller­erst darauf geachtet werden, dass der Lärm in der Kabine nicht unerträg­lich wird. Was dann noch an Mög­lich­keiten bleibt, den Lärm im Umfeld des Flug­zeugs zu redu­zieren, ist vermut­lich sehr, sehr begrenzt.
Elektrische oder Wasserstoff-getriebene Flugzeuge werden sicher auch nicht leise sein, aber man kann wohl durchaus sagen: das Festhalten an fossiler Technik führt nicht nur zu weiteren Klimaschäden, sondern auch zu mehr Lärm.

Die Geschwin­digkeit, mit der die herr­schenden Eliten das Roll-back in der Klima­politik auch im Finanz­sektor durch­setzen, ist beein­druckend. Private Banken sind schon länger dabei, die Klima­allianzen wieder zu ver­lassen, die sie teil­weise erst wenige Jahre vorher mitge­gründet hatten (ohne damit wirklich viel zu verändern). Aber auch die Entwick­lungsbank der UN, die Welt­bank, die ernsthaftere Ansätze verfolgt hat, muss unter dem Druck der Petro­staaten unter Führung der USA ihren Klima­aktions­plan abschwä­chen.
Gleich­zeitig spielt auch im Finanzsektor die Militari­sierung eine immer grössere Rolle. "Sicher­heit und Vertei­digung" gehört zu den acht strate­gischen Kern­priori­täten der EIB, und sie beschreibt ihre Aktivi­täten in diesem Bereich wie folgt:

"Die EIB-Gruppe finan­ziert militä­rische Ausrüs­tung, Infra­struktur, Dienst­leistungen und Techno­logie – und hilft dadurch mit, Europa sicherer und wehr­hafter zu machen. Waffen und Muni­tion werden nicht finan­ziert."

Inwieweit der Airbus-Kredit auch zur weiteren Mili­tari­sierung der Luft­fahrt-Indus­trie beiträgt und welcher Teil der Mittel in welche militä­rischen Projekte fliesen wird, ist im Augen­blick noch nicht konkret erkenn­bar, aber die Absicht, dass die Mittel auch dafür zur Verfü­gung stehen sollen, ist überall klar formu­liert.
Die noch vorhan­denen Einschrän­kungen spielen dabei keine grosse Rolle. Ein neuer Kampf­jet ist keine Waffe, sondern ein Träger­system oder eine Zentral­einheit, wo Waffen einge­baut, ange­hängt oder gesteu­ert werden können. Für solche Systeme steht das Geld zur Verfü­gung, nur die Waffen selber, also das, was die Munition ins Ziel bringt (Bord­kanonen, Raketen usw.), muss aus anderen Mitteln finan­ziert werden - und die fliessen eben­falls reich­lich.

Also können sich die Europä­er*innen mit diesem Kredit wieder ein biss­chen sicherer davor fühlen, dass eine russi­sche Armee, die seit Jahren in der Ukraine fest­steckt und dort auf brutal­ste Weise ihre Solda­ten und ihr Mate­rial ver­heizt, ohne ihren Erobe­rungs­zielen näher­zukommen, auch noch die europä­ischen NATO-Staaten über­fällt. Zugleich können sie sicher sein, dass die nächsten Hitze­wellen, die Europa treffen, noch etwas brutaler sein und noch mehr Todes­opfer fordern werden und andere Extrem­wetter-Ereig­nisse eben­falls zunehmen und noch mehr Schäden anrich­ten werden - und lauter wird es auch noch.
Immer mehr Sicher­heit in allen Berei­chen - dank den europä­ischen Regie­rungen, den Fossil-Kon­zernen und dem mili­tärisch-indus­triellen Komplex. Mögen sie den ihnen dafür gebüh­renden Lohn erhalten.


Button PDF     Button Startseite


Grafik

FIFA-Boss Gianni Infantino, die Figur, die symbolisch für die extremen Klimaschäden steht, die durch diese WM erzeugt werden.

02.07.2026

FIFA World Cup 2026

Wer verliert bei dieser Weltmeisterschaft ?

Nein, hier geht es nicht darum, die deutsche National­mann­schaft noch ein weiteres Mal als Looser anzu­prangern. Das haben andere oft genug getan, und die meisten können es besser als wir. Es geht auch nicht um all die anderen Mann­schaften, die schon ver­loren haben oder (bis auf eine) noch ver­lieren werden.
Es geht um die­jenigen, die eben­falls ver­lieren, egal, ob sie etwas mit Fuss­ball zu tun haben oder nicht.

Bereits im Sommer letzten Jahres warnte eine Studie, dass der World Cup 2026 die bei weitem klima­schäd­lichste Veran­staltung dieser Art sein werde, die es je gegeben hat und auf abseh­bare Zeit geben wird. Das liegt insbe­sondere an der gewal­tigen räum­lichen Ausdeh­nung über fast den gesamten nord­amerika­nischen Konti­nent, mit Entfer­nungen von bis zu 4.500 Kilo­metern zwischen Aus­tragungs­orten. Das erzwingt natür­lich Flug­reisen von Mann­schaften, Funktio­nären und Fans, die durch den Spiel­plan eher noch geför­dert als redu­ziert werden.

Die Studie hat damals abge­schätzt, dass durch diese WM mehr als 9 Mil­lionen Tonnen CO₂-Äqui­valente (9 Mt CO₂e) emit­tiert werden könnten, fast doppelt soviel wie der Durch­schnitt der WMs von 2010 bis 2022. Rund 7,7 Mill. Tonnen ent­fallen auf den Flug­verkehr. Berück­sichtigt man auch dessen Nicht-CO₂-Effekte, muss der Gesamt- Wert noch mit einem Faktor von 1,4 bis 1,7 multi­pliziert werden.
Symbo­lisch für diesen immensen Beitrag zur Klima­katastrophe steht FIFA-Boss Infan­tino, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, täg­lich zwei Spiele persön­lich zu besuchen und dafür mit einem Luxus-Privat­jet über den Konti­nent jettet, der ihm von Quatar Execu­tives, einer Tochter des FIFA-Spon­sors Quatar Airways, zu Verfü­gung gestellt wird. Die Gulf­stream G650ER gilt als beson­ders luxuri­öser Lang­strecken-Privat­jet, ist aller­dings, da mehr als zehn Jahre alt, beim Treib­stoff-Ver­brauch nicht sonder­lich effi­zient. Daher besagen Schät­zungen, dass dieser Jet

"... pro Flug­stunde so viel CO2, wie ein Durch­schnitts­mensch im ganzen Jahr verur­sacht. Allein in der Gruppen­phase bedeutet das: über 230.000 Liter Kerosin. ...
Wenn er auch die Achtel­finale und Viertel­finals auf diese Weise bereist, summieren sich die Emis­sionen seines Flug­zeugs allein auf 300 bis 500 Tonnen."

Andere weisen darauf hin, dass Infan­tino auch sonst Viel­flieger ist und die FIFA-Pla­nungen für die nächsten Turniere, u.a. die Frauen-WM 2027 und die Männer-WM 2030 ähnlich klima­schädi­gend geplant werden, wobei die SGR-Studie aller­dings davon ausgeht, dass die WM 2026 davon kaum über­troffen werden kann.
Greenpeace nennt auch deshalb die "Nach­haltig­keits­strate­gie" der FIFA, die "Klima­neutra­lität bis 2040" angibt, ein "Parade­beispiel für Green­washing".
Stay Grounded hat anläss­lich der Exzesse des Herrn Infan­tino die schon länger laufende Kampagne für ein Verbot von Privat­jets ergänzt um eine Petition, die ein Verbot der Nutzung von Privat­jets durch die FIFA bei den Welt­meister­schaften fordert. Sie ist leider bisher kaum öffent­lich bekannt und dürfte allein deshalb wenig Unter­stütze­r*innen finden.

All das sind keine Zufällig­keiten oder Entglei­sungen einiger Funktio­näre, sondern Grund­bestand­teile der FIFA-Politik. Anfang Juni erschien unter dem Titel "Fussball entzündet die Welt" ein ausführ­licher Bericht, der analy­siert, welchen Einfluss die Fossil­industrie bereits im Welt­fussball und in der FIFA ent­wickelt hat und wie unter Führung Saudi-Arabiens und des staat­lichen Ölkon­zerns Saudi Aramco als Haupt­sponsor besonders die WM 2026 zur Werbe­arena und zum Markt­platz für Fossil-Konzerne wurde.

Als eindeu­tiger Ver­lierer dieser Welt­meister­schaft steht damit das Klima fest. Nicht nur die Treib­hausgas-Emis­sionen dieses Events richten gewal­tige Schäden an, die Art und Weise, wie bei Vorbe­reitung und Durch­führung Klima­schutz-Aspekte igno­riert, vernach­lässigt oder ins Lächer­liche gezogen werden konnten, ohne dass das auf merk­baren Wider­stand stiess, haben der globalen Klima­politik immens geschadet.

Fan-Verbände kriti­sieren das Turnier als "Parade­beispiel für Ausgren­zung und kommer­zielle Verein­nahmung" und formu­lieren als zentrale Kritik­punkte:

Stay Grounded weist darüber hinaus auch noch darauf hin, dass dieses Turnier wegen dieser völlig über­höhten Ticket-Preise und einer Viel­zahl von Diskri­minie­rungen gegen Fans und sogar Spieler aus für die USA unlieb­samen Ländern primär eine Veran­staltung für Wohl­habende und Super­reiche ist und teil­weise zu erheb­lichen Belas­tungen für die lokale Bevölke­rung führt, z.B. die Trink­wasser-Krise in Mexiko-City ver­schärft.

Amnesty Inter­national hat bereits im März 2026 in einem Bericht dar­gelegt, welche Verpflich­tungen zum Schutz der Rechte der Fans, Spieler und Funktio­näre die FIFA, die natio­nalen Fuss­ball-Verbände, die Spon­soren und die austra­genden Staaten und Städte haben und auf eine Viel­zahl von Risiken, insbe­sondere durch die Menschen­rechts-feindliche US-Politik, hinge­wiesen.
Vieles davon hat sich bereits bewahr­heitet, und zahl­reiche Beispiele von Repres­sionen und Diskri­minie­rungen von Fans und Fan-Gruppen, aber auch von Schieds­richtern, anderen Funktio­nären und Spielern wurden bekannt. Eine abschlies­sende Bilanz wird erst in Monaten vor­liegen, aber bereits jetzt kann man fest­stellen:

Weiterer grosser Verlierer dieser Welt­meister­schaft sind die Menschen­rechte. Menschen wurden wegen ihrer Herkunft, wegen ihrer Haut­farbe oder wegen ihrer poli­tischen Über­zeugungen oder sexu­ellen Orien­tierung diskri­miniert. Fans wurden durch unfaire Ausbeutungs­methoden wie "dynamic pricing" etc. um grosse Summen betrogen und mit schlech­teren Leistungen abge­fertigt, ohne sich wehren zu können.

Um zu verstehen, wie solche Ergeb­nisse zustande kommen können, lohnen sich weitere Blicke hinter die Kulissen. Der "Welt­fuss­ball­verband" Fédé­ration Inte­rnationale de Foot­ball Associa­tion, FIFA, ist keine staat­liche Organi­sation, sondern ein Schweizer Verein, der vor 122 Jahren von einigen natio­nalen europä­ischen Fuss­ball­verbänden bzw. Klubs gegründet wurde, um inter­natio­nale Spiele zu organi­sieren. Inter­natio­nale Turniere fanden zunächst im Rahmen der Olympi­schen Spiele statt, die FIFA konzen­trierte sich aber, schon damals mit Sponsoren-Hilfe, auf den in Süd­amerika bereits durch­kommer­ziali­sierten Fuss­ball und organi­sierte 1930 die erste kommer­zielle Welt­meister­schaft in Uruguay.
Heute sind 211 natio­nale Verbände Mitglied der FIFA, die in sechs Konti­nental­verbänden organi­siert sind (für Europa die UEFA, die eben­falls ein Verein nach Schweizer Recht ist). Trotz Mil­liarden-Ein­nahmen aus Fernseh- und Marketing-Rechten, Karten­verkauf etc. zahlt die FIFA auch in der Schweiz prak­tisch keine Steuern und gilt über­wiegend als völlig intrans­parent und korrupt.

FIFA, eigent­lich per Satzung zu poli­tischer Neutra­lität ver­pflichtet, zeigt auch eine zuneh­mende Vor­liebe für die Zusammen­arbeit mit autori­tären Regimen bei der Durch­führung von Tunieren, so mit Russland, Katar, nun den USA und dem­nächst mit Saudi Arabien. Nirgendwo wird die Perver­sität dieser Ko­opera­tionen deut­licher als in der Vorbe­reitung des jetzi­gen Turniers, in der FIFA, genauer das FIFA-General­sekre­tariat unter Infan­tino, im Novem­ber letzten Jahres einen eigenen Friedens­preis kreierte und ihn einen Monat später ohne weitere Absprachen an US-Präsi­dent Trump verlieh, der damals einen Ersatz für den Friedens-Nobel­preis brauchte, den er trotz massiven Drängens nicht bekommen hatte.
Immerhin führte das zu einer Beschwerde beim Ethik-Kommittee der FIFA, die inzwi­schen nicht nur vom norwe­gischen Fuss­ball-Verband sondern auch von 50 Europa-Parlamen­tariern unter­stützt wird und Teil einer Kampagne ist, die unter dem Titel "Reboot FIFA" auf wesent­liche Reformen abzielt.

Aus deutscher Sicht noch inter­essant: dem FIFA-Rat, dem formal höchsten Ent­schei­dungs­gremium der FIFA, gehört als Ver­treter der UEFA auch DFB-Chef Bernd Neuen­dorf an. Ehema­liger SPD-Politiker und bei der WM 2022 sogar noch ein bisschen auf­müpfig, ist er inzwischen seinem Chef Infantino nicht nur äusser­lich ähnlich. Von dem Friedens­preis will er, wie der gesamte FIFA-Rat, vorher nichts gewusst haben, vertei­digt aber im Nach­hinein Infan­tinos Vor­gehen. Er hat aber auch etwas zu verlieren. Neben dem wohl eher kargen Salär als DFB-Chef bekommt er für die Mitglied­schaft im FIFA-Rat auch noch eine kleine Aufwands­entschä­digung von 250.000 US$ pro Jahr.

Damit nähern wir uns der entschei­denden Frage: wenn bei dieser WM fast alle ver­lieren, wer gewinnt? Natür­lich, eine Mann­schaft wird eine Kopie der FIFA-Trophäe mit nach Hause nehmen dürfen, Spieler und Trainer der Mann­schaften, die nicht nur ver­loren haben, werden ihren Markt­wert deut­lich gestei­gert haben, aber darüber hinaus? Die Clique der­jenigen, die von diesen Spielen profi­tieren, ist nicht allzu gross, aber trotz­dem nicht wirk­lich genau abzu­grenzen. Dazu gehören in erster Linie die Spon­soren, diesmal über­wiegend aus der Fossil-Wirt­schaft, aber z.B. auch Glücks­spiel­anbieter, deren Tätig­keit in Deutsch­land illegal ist. Sie alle können nicht nur lukra­tive Geschäfte abschlies­sen, sondern auch einen immensen Werbe­erfolg erzielen. Dazu gehören die FIFA-Klüngel, deren Geschäfte zum grössten Teil undurch­sichtig bleiben, aber sicher lohnend sind. Dazu gehören auch Poli­tiker wie die Trump-Clique, die sich in inter­natio­nalem Ruhm sonnen können, während ihre schmut­zigen Aktivi­täten weit­gehend im Dunkeln bleiben.
Mit anderen Worten: es sind die Cliquen, die auch sonst ihren Profit mit der Zer­störung des Klimas und der brutalen Aus­beutung von Mensch und Natur machen. Fuss­ball-Fans in aller Welt sollten darüber nach­denken, ob das wirk­lich das ist, was sie sehen wollen, und ggf. in ihren Ver­bänden deut­lich machen, dass es auch anders gehen könnte.


Button PDF     Button Startseite

Beiträge aus dem ersten Halbjahr 2026 befinden sich hier.

Beiträge aus vorangegangenen Jahren befinden sich im Archiv.


Button Seitenanfang